9.100 neue Drifter auf Reisen

13. April 2017 - von Rosanna Schöneich-Argent.

Im letzten Herbst warfen wir an nur 6 von insgesamt 16 Standorten (inkl. 2x2 alternierenden Auswurfspunkten) unsere ersten 4.800 Holzdrifter in die Nordsee – und das quasi zunächst zu Testzwecken, denn bisher hatte es solch eine Aktion noch nicht gegeben. Wo würden die Drifter hintreiben? Wo würden sie ankommen? Würden sie überhaupt gefunden und gemeldet? Wie würde die Bevölkerung, auf dessen Mithilfe wir ja setzen, das Projekt annehmen?

Nachdem sich in den Folgemonaten der Rücklauf der Driftermeldungen sowie die Resonanz unerwartet positiv entwickelte, und uns auch von allen behördlichen Stellen die noch ausstehenden Genehmigungen erteilt wurden, war es ab Ende Februar dann so weit: Wir fuhren an alle geplanten 14 Standorten – entlang der Küste von Emden bis Cuxhaven, sowie entlang der Ems, Weser und Elbe, auf Borkum und im Verkehrstrennungsgebiet offshore – und warfen bzw. kippten jeweils bei ablaufender Tide erneut tausende Holzklötze ins Wasser.

Egal, ob bewölkt, windig, sonnig, kühl oder frühlingshaft lau – es waren interessante Exkursionen. Und alleine waren wir fast nie! Ranger, Wattführer und neugierige Passanten, BuFDis, FÖJler, Praktikanten und die begeisterte Truppe der kleinen Papenburger Nachwuchswissenschaftler (wir berichteten), sowie z.T. erneut interessierte Presseteams unterstützten uns tatkräftig bei den Auswurfaktionen. Mit so vielen helfenden Händen hatten wir nicht gerechnet! Also ein ganz großes DANKESCHÖN noch einmal an alle, die mit dabei waren!

Seit dem Abschluss der Frühjahrsauswürfe Ende März gehen weiterhin fleißig Meldungen bei uns ein. Nicht nur die neu ausgesetzten Klötze, sondern auch noch solche von letztem Herbst werden entdeckt. Interessant ist es nun zu schauen, wie sich die Verteilungsmuster der Drifter, v.a. innerhalb der Flüsse, entwickeln, da wir hier noch gar keine Erfahrungswerte haben. Schaffen es welche ins Meer? Bleiben sie vorher am Ufer hängen? Werden sie doch tidebeeinflusst weiter landeinwärts getrieben?

Schon jetzt sieht man, dass viele Drifter der Februar- und März-Auswürfe, im Gegensatz zu den bisherigen Verteilungsmustern, eher lokal um ihren Auswurfspunkt herum gefunden werden und gar nicht so weit hinaustreiben. Es wird auch, im Vergleich zu den Auswürfen im Herbst 2016, um einiges weniger auf den Ostfriesischen Inseln gefunden und gemeldet. Dafür gibt es auf den Nordfriesischen Inseln jetzt eine wahre Meldeflut (siehe Kartenausschnitte).

Drifterfunde 2016 Drifterfunde 2017

Insgesamt wird von einigen Auswürfen mehr gefunden und gemeldet, von manchen bisher weniger. Doch auch im letzten Jahr hatten wir ein paar Überraschungen, was das Auftauchen bereits verschollen geglaubter Klötze betraf! Wir warten also ab. Auch 7 GPS-Drifter – Eddy One und seine Nachfolger – kamen beim offshore-Auswurf zum Einsatz, und zeigen interessante Routenmuster, die es nun gilt, mit den Funden der Holzklötze und den Vorhersagen der Computermodelle zu vergleichen. Bis zu den Sommerauswürfen im Juni und Juli bleibt es also weiterhin arbeitsreich und spannend!