Ein Drifter kommt selten allein

25.Oktober 2016 - von Rosanna Schöneich-Argent

Nachdem wir von zahlreichen, fleißigen Meldern den Hinweis bekamen, dass hinter der ehemaligen 3. Einfahrt in Wilhelmshaven ein wahres Sammelsurium an Driftern liegt, machte ich mich diese Woche auf, um die Lage dort zu sichten.

Konnte es sich um Holzklötze von dem an dieser Stelle stattgefundenen Auswurf der Vorwoche handeln? Oder hatten es vielleicht sogar Drifter vom Helgoland-Auswurf bis nach Wilhelmshaven geschafft? Lagen dort nur unsere Hölzer oder würde ich auch angespülten Müll finden?

Im Wettlauf gegen das ansteigende Wasser, suchte ich eine Stunde lang den 56 m Strandabschnitt ab. Das Ergebnis: Etwa 200 der insgesamt 800 Drifter vom Auswurf der letzten Woche hatten mit den Tiden und dank des beständigen Ostwinds mehr oder weniger direkt wieder den Weg an Land gefunden – viele davon begraben in Unmengen Seetang, der auch angespült worden war. Doch die Anzahl der Müllteile, die ich dort vorfand, stand der Zahl der Drifter in kaum etwas nach: 119 Gegenstände und 94 % davon aus Plastik. Dabei waren die meisten Teile standorttypisch: viele Verpackungen von Lutsch-Bonbons und Snackriegeln, Flaschendeckel sowie Zigarettenstummel – aufgrund der geringen oder fehlenden Verwitterung sehr wahrscheinlich von Spaziergängern verloren und durch den Wind hinaus aufs Wasser oder auf den kurzen Strandabschnitt hinter der Mole getragen.

Die Fetzen von fünf unterschiedlichen Luftballons inklusive Geschenkbandschnüren zeigen, dass das Steigenlassen von Ballons eine nicht zu unterschätzende Quelle von Meeresmüll ist. Wie die Engländer so schön sagen: What goes up, must come down. (übersetzt: Was hochsteigt, muss auch irgendwann einmal wieder herunterkommen.) So auch der Fall bei Luftballons, die oftmals bei besonderen Anlässen wie Stadtfesten oder Geburtstagen zu dutzenden oder hunderten steigen gelassen werden. Dabei wird leicht vergessen, dass sie irgendwann platzen und das oftmals über dem Meer. Auf hoher See werden die ins Wasser gefallenen Ballonfetzen von Tieren mit Nahrung verwechselt und verschluckt oder sie verheddern sich in den Schnüren.

Typisch für den seeseitigen Eintrag von Plastikfragmenten waren die insgesamt 31 Fasern und ein Fasernbündel der sogenannten „Dolly Ropes“ – oft orange oder blaue Bündel von Plastikfäden, die am Ende der Fischereinetze als Scheuerschutz vor dem unebenen Meeresboden dienen (eine kurze Beschreibung: https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/20160405_greenpeace_factsheet_dolly_ropes.pdf).

 
Drifterfunde. Zwischen den angespülten Driftern in Wilhelmshaven sammelt sich eine Menge Müll an. Es ist fast nur Plastik zu finden.

Insgesamt war es eine erste Bestätigung, dass unsere Drifter erfolgreich treibenden Makroplastikmüll simulieren. Nach dem derzeitigen Stand (25.10.2016 09:40 Uhr) wurden schon 1077 Drifter gemeldet. Zwei weitere Auswürfe finden in den kommenden Tagen bei Cuxhaven und auf Langeoog noch statt. Als Teil unserer Arbeit, werden wir nun auch weitere Fundorte mit besonders vielen Drifter-Meldungen besuchen, den angespülten Meeresmüll analysieren und schauen, ob eine Korrelation mit möglichen Müllverursachern am Auswurfsort der dort gefundenen Drifter besteht.