Von Kartonmenschen und Drifterweitwurf in die Ems

20. März 2017 - von Katharina Stephan.

Einen Monat nach dem Start unserer zweiten Drifterkampagne, fand am vergangenen Samstag in Papenburg ein besonderer Auswurf statt. Mit insgesamt 40 helfenden Händen beförderten wir in Rekordzeit unsere Drifter von einer Brücke auf Höhe der Meyer Werft in die Ems. Einen Teil der 3. Papenburger Kinderakademie – sie wird von der historisch-ökologischen Bildungsstätte Emsland (HÖB) veranstaltet – durften wir mit unserer Thematik „Plastik im Meer“ gestalten.  

Gemeinsam mit Kindern der 3. bis 6. Klasse dachten wir über das Thema Plastikmüll in den Meeren nach. Wir diskutierten und überlegten miteinander, was jeder Einzelne von uns tun kann, um zukünftig das Problem zu reduzieren und selbst nicht weiter dazu beizutragen. In einer Theoriestunde stellten die Kinder uns viele Fragen. Wir waren erstaunt. Einige von ihnen hatten sich schon einmal mit Plastik und seinen Auswirkungen im Meer beschäftigt. Neugierig untersuchten die Schüler und Schülerinnen unsere mitgebrachten Plastikstrandfunde. Sie überlegten beispielsweise, wie ein kleiner Kinderschuh oder eine Sprühflasche in der Nordsee landen konnten. Wie konnte sich wohl ein Vogel mit seinem Schnabel in Teilen eines alten Fischernetzes so verfangen, dass er es nicht mehr schaffte, sich zu befreien. Sein Schädel war nämlich als Fundstück in unserem „Sammelkoffer der Plastikstrandfunde“ gelandet. Diesen Koffer leiht uns unser Kooperationspartner, der Mellumrat e.V., für solche Veranstaltung aus.

Am Ende der Theoriestunde bekam jedes Kind einen eigenen Difter. Den durfte es für den geplanten Auswurf in die Ems mit umweltverträglichen und ökologisch abbaubaren Farben bemalen. Von Botschaften „kein Plastik in die Meere“ über bunte Regenbogenverzierungen und Umbenennung der Drifter in „Titanic 2.0 und 3.0“ fiel den Kindern einiges ein, um aus einfachen Holzdriftern ganz individuelle Fundstücke zu kreieren.

 

Startklar. Die Drifter sind sicher verpackt auf Rollbrett und Schlickwagen gestapelt- fehlen nur noch unsere fleißigen Helfer.

Bei unserem zweiten Termin schickten wir die Drifter auf ihre Reise und warfen sie in die Ems. Die Kinder wurden −zusammen mit Frau Haucke vom HÖB − per Bus zur Meyer Werft gebracht. Dort erwarteten wir sie schon – samt 800 Driftern. Mit einem schwer beladenen Rollbrett und einem Schlickwagen mit je fünf Umzugskartons voller Drifter traten wir gemeinsam den Fußmarsch zur Brücke an. Dort angekommen, ging der Weitwurf unverzüglich los. Zuerst wurden die eigenen, bemalten Drifter in die Ems „gepfeffert“ – also: mit Begeisterung geworfen. Ihnen folgten dann die von uns mitgebrachten anderen 800 Stück.

 

 

In den "Fluten" der Ems. Die Drifter folgen der Strömung.

Die Kinder hatten so viel Spaß beim Werfen, dass wir selbst kaum noch Drifter in die Finger bekamen, um in den Weitwurf einzusteigen. Ruckzuck waren die Kartons leer und alle Drifter unter uns in den "Fluten" der Ems gelandet. Wir beobachten noch einen Moment, wie die Strömung des Flusses die Drifter mit sich nahm. Dann traten wir den Rückweg an.

Und wie transportiert man nun die unhandlichen, leeren Umzugskartons zurück? Auf keinen Fall auf dem Rollbrett und jedenfalls auch nicht im Schlickwagen. Schlickwagen und Rollbrett wurde von den Kindern benötigt. Abwechselnd setzen sie sich darauf und ließen sich ziehen. Auch die Kartons wurden kurzerhand umfunktioniert, nämlich als Kopfbedeckung. Die Kinder erklärten uns, dass es sich bei ihnen nun um „Kartonmenschen“ handelte und dass es keine sinnvollere Möglichkeit gebe, einen Karton zu tragen. Wieder was gelernt. Groß von Klein diesmal. Das sollten wir uns für den nächsten Auswurf merken.

 

 

 

 

 
Kartonmenschen. Eine bisher noch unentdeckte Art in Papenburg, deren Existenz damit bewiesen wäre.

 

Alles in allem war das eine ganz wunderbare Abwechslung in unserem Forscheralltag. Vielen Dank an dieser Stelle an alle helfenden Kinder − vielleicht lesen auch eure Eltern hier ein bisschen herum. Und vielen Dank an Frau Haucke für die Einladung, an der Kinderakademie teilzunehmen.

Aufgepasst also! Wer stolpert demnächst über ein von den Kindern individuell gestaltetes Fundstück?

Weitere Infos zum HÖB und zur Kinderakademie gibt es hier: www.hoeb.de